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Dreamfactor-Y: Boozoo Bajou, Eva, De-Phazz, Gotan Project, Neoangin, Sophie Hunger


Mit ihrem Debütalbum »Satta« hatte das Duo Seyberth & Heider aka Boozoo Bajou dem Dub neue, bis dato unbekannte Horizonte eröffnet. Soviel Ruhm verpflichtet und mit ihrer Zusammenstellung »Coming Home« (Stereo Deluxe/ Warner) präsentieren sie nun eine Auswahl ihrer Lieblingsstücke. Eigentlich so etwas wie der perfekte Opener für eine Jungbrunnen Party ist das eigene Wohnzimmer zum Hören dieser Platte fast schon zu klein geraten. Wer es gerne lässig mag und auf subsonische Bässe steht, wird mit dieser Compilation perfekt bedient. Wertung: 2 Daumen und sieben Finger.

EVA als Bandname mag eingängig sein, aber bei Discogs finden sich dort auf Anhieb 67 Verweise. Am Wiedererkennungswert muß also noch gearbeitet werden. Egal, ihr Album »Bittersweet Sessions« (Bosworth Music) erscheint jetzt zum zweiten Mal und hat eine größere Aufmerksamkeit verdient. Insgesamt ein erstaunlich gut hörbares Album, ohne dabei in melancholischen Abgründen zu wühlen. Singer/Songwriting ist nicht unbedingt mein großes Ding, aber »Bittersweet Sessions« läuft bei mir seit zwei Monaten mit wachsender Begeisterung in den Heavy Rotations. Wertung: 2 Daumen und sechs Finger.

Mag sein, daß ich bei De-Phazz den Status eines Hofberichterstatters erreicht habe, nichts destotrotz mit ihrem aktuellen Album »Lala 2.0« (Phazzadelic/ edel) setzen sie wiederum Maßstäbe in Sachen perfektionierter Loungemusic. Hier stimmt fast alles, von der Verpackung über die CD (inklusive CD-Text), den alternativen Covern und dem Skandalvideo, welches man sich von ihrer Webseite (www.de-phazz.de) herunterladen kann. Man mag über die Musik streiten, die Aufnahmequalität ist göttlich! Für Freunde der anspruchsvollen Unterhaltungsmusik mit einer hochwertigen Stereoanlage ein unbedingtes Muß! Wertung: 2 Daumen und acht Finger (Platte des Monats - was sonst?!).

Auch Gotan Project haben ein neues Album produziert. »Tango 3.0« (Ya Basta/ Universal Music) ist die konsequente Fortführung ihrer beiden Vorgängeralben. Wir hören tangomäßige Klänge elektronisch veredelt und, wer die beiden ersten Alben kennt, wird keine großen Überraschungen erleben. Kein innovatives Album, aber von Anfang bis Ende ohne Abstriche hörbar. Lange Rede kurzer Sinn, Fans kaufen die Platte auf jeden Fall, und wer noch keine hat, kann auch ohne Bedenken zuschlagen. Wertung: 2 Daumen und fünf Finger.

Ganz was anderes fast zum Schluß. Jim Avignon aka Neoangin ist so etwas wie ein musikalischer Botschafter in Sachen Lo-Fi Synthipop. »Say Hi To Your Neighborhood« (Neonangin/ Indigo) bietet dem Hörer insgesamt fünfzehn verschiedene Ansichten oder Geschichten aus der Alltäglichkeit des Seins mit einer gehörigen Portion Ironie. Avignon will uns weder belehren noch will er uns nur erheitern, wie schon gesagt er ist ein Botschafter der den schweren Seiten des Lebens mit Leichtigkeit begegnet. Wertung: 2 Daumen und sechs Finger.

Eine habe ich denn doch noch. Der Titel »1983« (Two Gentlemen/ Indigo) von Sophie Hunger ist eine Anspielung auf das Orwell Jahr, welches weder den Untergang unserer abendländischen Kultur noch den totalen Überwachungsstatt gebracht hat. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Hunger singt im wahrsten Sinne des Wortes in den unterschiedlichsten Sprachen. Ihre Texte sind in keinster Weise verständlich, sondern eher postdadaistische bzw. verschachtelte Erzählungen aus dem innersten Seelenleben einer Künstlerin. Klingt kompliziert, ist es auch. Wertung: 2 Daumen und acht Finger (Geheimtipp des Monats).

-vdE-


Vom Actionteam bis zu Tyson


Das Actionteam, das es seit vier Jahren gibt, hat mit »Von der Platte, von der alle reden« (Rough Trade/ Universal) ihr Debüt veröffentlicht. Darauf ist vierzehnmal Punkrock mit deutschsprachigen Texten zu hören, vierzehnmal Spaß und Nonsens. »Knatter Willi« ist der beste Song für mich. www.dasactionteam.de

Lord Mouse & The Kalypso Katz (Cannery Row Records) ist der Name einer 16köpfigen Band, aber auch der Titel ihres Debütalbums. Lord Mouse ist der Sänger, der die restlichen MusikerInnen in der Karibik auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitend kennenlernte. Nach einer durchzechten Nacht verpaßten sie die Abfahrt des Schiffes. Was tun? Erst einmal als Straßenmusiker arbeiten, um das Geld für die Heimreise nach
Europa zu verdienen. Die befreundeten MusikerInnen kamen alle gleich mit. So der Gründermythos der Band. Geschadet hat es jedenfalls nicht, denn sonst könnten wir diese exzellente Album sicher nicht hören. Als musikalische Einflüsse ist zu allererst der aus Trinidad Tobago Calypso zu nennen, aber auch Reggea und Ska. Wer die Chance hat, Lord Mouse & The Kalypso Katz live zu hören, solle diese nutzen. Es macht Spaß, dieser spielfreudigen Band auf ihrer Reise durch Lateinamerika zu folgen. Die Platte des Monats. www.myspace.com/lordmousethekalypsokatz

Nun komme ich zu dem Swinger Club und deren neue CD »11 Years of Orgel Madness« (Supermusic/ Alive!). Das Kölner Orgeltrio ist seit elf Jahren an den Orgeln tätig und hat sich seitdem als Instrumentalband einen Namen gemacht. Das nun vorgelegte Best of Album enthält elf remasterte Aufnahmen jeglicher Couleur, aber auch vier neue Titel. Unterhaltsam, für manche vieleicht gewöhnungsbedürftig. www.myspace.com/swingerclub

The Twang, deren Album »A Guide To Modern Country Living« (Countryfield Records/ Indigo) 15 beschauliche Countrysongs enthält, kommt aus Texas. Auf der CD sind fünfzehn Songs zu hören, mal ein Western-Swing mit Pedal Steel, mal ein Tex-Mex-Mariachi Sound, mal Rock, mal Hillbilly, Rockabilly oder Honkytonk. Klassisch und modern. www.twang.de

 
Auch Tyson aus Kiel haben ihr Debütalbum fertig - »Bareknuckel Fights« (Coast Rock Records/ New Musik). Der einen oder dem anderen dürfte das Quartett schon von Liveauftritten bekannt sein. Allen sei gesagt, die Musik ist hart. Die elf Songs auf dem Album bieten einen knackigen Mix aus Metal, Punkrock und Harcore, alles voller Ennergie gespielt. Diese Platte ist nichts für Menschen mit empfindlichen Ohren. Die Band haut rein wie ihr Namensvorbild aus dem Boxsport. www.myspace.com/bandtyson

Karl